Der Rahmen als Möbelstück
In jedem Rahmen, den wir fertigen, verbirgt sich eine Grundsatzfrage: Ist das ein Kunstwerk oder ist das ein Möbelstück?
Gerahmte Kunst hängt an der Wand und verlangt danach, betrachtet zu werden. Möbel stehen in einem Raum und laden dazu ein, mit ihnen zu leben. Ein hinterleuchteter Textilrahmen liegt, wie wir finden, irgendwo dazwischen – und näher am zweiten als am ersten.
Man stellt sich nicht vor ein Sofa. Man studiert keinen Tisch. Aber ihre Farbe, ihr Gewicht, ihre Präsenz im Raum prägen jeden Tag, wie sich dieser Raum anfühlt, ohne die Aufmerksamkeit zu erzwingen. Das ist im Grunde das, was ein hinterleuchteter Rahmen tut. Er verändert die Atmosphäre eines Raumes, ohne selbst das Hauptthema des Raumes sein zu wollen.
Deshalb haben wir uns nie besonders zu lauten, kontrastreichen Prints hingezogen gefühlt. Ein Rahmen, der schreit, wird auf eine Weise ermüdend, die ein Möbelstück niemals sein sollte. Ein Rahmen, der summt – eine sanfte Fotografie, eine kontrastarme Abstraktion, eine ruhige Landschaft –, verdient seinen Platz über Jahre hinweg.
Es ist auch der Grund, warum wir den Rahmen selbst so sorgfältig bauen, wie wir es tun. Wenn er ein Möbelstück ist, muss er auch dann überzeugen, wenn das Licht aus ist, wenn der Raum leer ist, im flachen Morgenlicht. Er kann sich nicht darauf verlassen, eingeschaltet zu sein, um seine Existenz zu rechtfertigen.
Also: formal ein Kunstwerk. In der Praxis ein Möbelstück. Gemacht, um damit zu leben, nicht nur um es zu bewundern.